der sechste tag

Veröffentlicht auf von katzemithut

Es klingelte. Die letzten kräftigen Sonnenstrahlen des Jahres kämpften sich durch die Wolkendecke und die schweren grauen Vorhänge, welche nichtssagend den Blick in mein Fenster verwehrten. Zur Tür schwankend flüsterte ich leise vor mich hin und stolperte über den Krempel, der sich mit der Zeit so angesammelt hatte. Schließlich öffnete ich fluchend die Tür. Dort standst du, in deiner vollen Pracht. Du hattest mich angegrinst und gelacht. Verdutzt stand ich einfach so da, überrascht von deinem Besuch. Ich versuchte dir zu erklären, dass ich nicht mit dir gerechnet hätte. Nach den Monaten ohne dich war ich davon überzeugt gewesen, dass du nicht mehr zurückkommen würdest. Das du dort, wo auch immer du nun herkommen magst, bleiben würdest und das für immer. Doch jetzt standst du vor mir und nahmst mir den Atem. „Alles okay, ich bin wieder da. Du brauchst dich nicht zu fürchten.“ Doch ich konnte nicht leugnen, dass die Angst mir die Kehle zu schnürte. Ich schluckte, verwirrt bat ich dich herein. Hattest dich wieder bei mir niedergelassen, deine Sachen ausgepackt und dir meinen Kaffee gekocht. So ging es eine Weile, ich will nicht sagen, dass es gut funktionierte. Aber mein routinierter Tagesablauf klappte auch bei deiner Anwesenheit erstaunlich reibungslos. Doch als ich am Abend des sechsten Tages deines Besuches nach langem Kramen den Schlüssel fand und die Tür aufschloss, sollte ich eines besseren belehrt werden. Der Zorn hatte dich gepackt und du hattest den Entschluss gefasst mir jegliche meiner Fehler und schlechten Angewohnheiten an den Kopf zu werfen. Als würde ich nicht selbst am Besten darüber Bescheid wissen. Schaute dich mit starrem Blick an und sagte kein einziges Wort. Nickte ab und an, weil ich dir zustimmte. Du kennst mich erschreckend gut, das wurde mir klar. Dann hielst du inne: „Ich bin nicht besser als du. Ich ziehe alle Leute von ihren Gipfeln des Glücks. Ich kann nicht anders, egal wie sehr ich das ändern will.“ Du senktest deinen Kopf.

Bitterlich weinend liegen wir nun nebeneinander, niedergeschlagen von all den Wahrheiten. „Bleib noch ein Weilchen, leiste mir Gesellschaft. Jetzt allein zu sein, das könnte ich nicht ertragen.“ So bat ich die Traurigkeit zu bleiben.

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