titellos

Veröffentlicht auf von katzemithut

Liebe Traurigkeit,

Wenn du dies liest werde ich meinen Koffer gepackt und das Haus verlassen haben. Ich werde nur das Nötigste mitgenommen haben. All die schlechten Erinnerungen werde ich bei dir lassen, fein säuberlich zusammengelegt und auf die schiefen Regalbretter gestapelt.
Ich fühle mich nicht mehr wohl in dem von mir erbauten Haus. Ich könnte die Wände so oft ich wollte in den verschiedensten Farben ertränken, könnte das alte Mobiliar rausschmeißen und neue Blumen in die Vase stellen. Doch das würde nichts bewirken. Es würde das Gefühl in mir nicht verändern. Egal wie prunkvoll oder heruntergekommen die kleinen Zimmerchen unter dem Dachgiebel auch sein mögen, die Wände erdrücken mich. Du erdrückst mich. Ziehst mich nieder, sodass ich auf Knien den Boden entlang rutsche und es nicht schaffe mich wieder aufrecht hinzustellen. Einer deiner Blicke genügt und der Winter zieht in mein Herz. Deine Kälte lässt mich frieren.
Dein einstiges Mitgefühl ist der Gleichgültigkeit gewichen und so weiche ich von dir. Habe monatelang versucht mir einzureden, dass ich klar komme. Doch jeden Abend wenn du neben mir im Bett liegst und ich dich leise atmen höre, kann ich nicht einschlafen. Liege wach und fürchte mich vor der Dunkelheit.
Ich kann nicht beschreiben, wie sehr ich dich geliebt habe. An den düstersten Tagen, bei Sonnen- und bei Mondschein, im grellen Licht der U-Bahn und in diesem Haus. Jedoch will ich all das nun als Vergangenheit bezeichnen können, ich will das nicht mehr. Will nicht abhängig von dir in der Melancholie versinken.
Ich bin mir sicher, dass du jemanden finden wirst, der genauso blauäugig wie ich in dein Netz geht. Der den Himmel auf Erden vor sich sieht, aber je länger du dein Spiel mit ihm treibst, desto mehr wird er im Schwarz verschwinden. Dieser Mensch will ich nicht mehr sein.


Du bist so wunderschön, liebe Traurigkeit.
Adieu

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